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Überblick über bisherige Ausstellungen und Veranstaltungen

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Ausstellung von Tilman Knop
29. April – 15. Juni 2016

Endlich einer, der sich in eine Schublade stecken lässt. Auf ihr steht: Grotesk Siebdruck. Darin: Tilman Knop, unser Siebdrucker. Da passt er rein, da gehört er hin. Mit seinen Machenschaften voller intellektuell durchprollter Lebens­weis­heiten, oberhalb und unterhalb der Gürtellinien.

Galerina Steiner | Kleintierhandlung

Seit eh und je arbeiten sich seine Bilder am Wust der Abertonnen von Informationen und Bildern ab, die uns inzwischen wie selbstverständlich verkleben. Stets geht es ihm ums Alles, ums Nichts, verhandelt auf gleicher Ebene. Damit nimmt er sich viel vor. Mit haltlosem Blick aufs Ganze, aufs Kleine und damit aufs Große. Behauptet, simuliert, und doch hautnah an dem, was sich Wirklichkeit nennt. Das Bemerkenswerte liegt im feinen Abwegigen. Schlussendlich mit der Erkenntnis einer geglückten Ratlosigkeit. Ein Freund formulierte es einmal ganz richtig: »Und alles in Knops Duktus: Edel-Grusel, Frohsinns-Bruegel, Teilbereichs-Apokalypse, Reduzierungs-Opulenz.«

So hoch die Latte des Status quo und all der üblichen Qualitäten auch liegen mag, er gestattet sich, darunter durch zu gehen. Selten haben uns Diamanten aus minderwertigem Material mit ihrer verspielten Weltuntergangslaune derart viele Durchhalteparolen entgegen posaunt. Denn mit seinen Motiven als Gegengift zur Weltdroge Alles-Egal® konstruktive Hoffnungslosigkeit zu verbreiten, das kann schließlich auch Erleichterung verschaffen. Jedenfalls dann, wenn wir es Tilman Knop überlassen.

Hipstatile – one Tite

Ausstellung von Erik Sick
12. Februar – 8. April 2016

Der Kameramann Erik Sick ist weltweit mit Dokumentarfilmproduktionen unterwegs, bei denen er auch kleine Serien mit dem Smartphone fotografiert.

Die gezeigten »drive by shootings«, die aus dem fahrenden Auto heraus während einer Dokumentar­film­produktions­reise in Kenia aufgenommen wurden, zeigen Landschaften, die mit der Foto-App »Hipstamatic« aufgenommen wurden. Diese schnellen, im Vorbeifahren gemachten Snapshots, stehen im Gegensatz zu den aufwendigen Dokumentar­film­produktionen, bei denen die teuersten Kameras und die beste Aufnahmetechnik zum Einsatz kommen. Die Serie ist im Jahr 2015 während einer Produktion über Giraffen in Kenia entstanden. Dabei kennzeichnet diese Landschaftsbilder die vollkommene Abwesenheit dieser Tiere. Auf einer Landstraße von Nairobi zum Lake Elementeita schimmern die Bäume und Strommasten im Sonnenuntergang surreal und erzeugen dabei eine für afrikanische Landschaftsfotografie untypische Stimmung. Dabei wird der oft übliche exotische Folklorekitsch vermieden.

Mit einer speziellen Technik werden die Fotos auf Steinfliesen übertragen, was eine manufaktorische Herstellung simuliert, sind die Bilder doch App-Snapshots aus einem Smartphone. Im Gegensatz zu Giraffen sind Smartphones in Afrika allgegenwärtig, sie schließen ihre Besitzer an die globalisierte Welt an. Die Fliesen sind übrigens wasserfest, afrikanische Landschaften zum Abwaschen.

Galerina Steiner | Kleintierhandlung

Das letzte Loch, Volume 2

Ausstellung kuratiert von Thilo Mössner
Vernissage und Performances am 11.12.2015
Dauer der Ausstellung bis zum 25. Januar 2016

Schauspiel: Gina-Lisa Maiwald
Bariton: Ludwig Obst
Akkordeon, Synthesizer: Roman Lemberg
Video: Martin Mallon
Kostüme: Christina Schmitt
Regie und Performance: Julia Lwowski und Franziska Kronfoth
Fotos: Ioni Laibaroes

Hemmungslosigkeit fördert den Einfallsreichtum.
Denn der einzige Teil des Körpers, der nicht altert, ist die Zunge.
Sie ist die Klitoris des Gehirns.
Selbst auf dem Sterbebett kann man noch eine Zunge ausstrecken, die so frisch und rosig ist wie ein von Tau benetztes, rosafarbenes Blütenblatt.

Ein Jedermann trifft sich mit der Porno-Industrie zum Stelldichein, im Separee kommen wir uns ganz nah, mit Live Musik, moderiert von Ihrem Galeristen, gespielt von Ihrem Nachbarn oder Ihnen selbst und dem Model, das von der Karriere als Pornstar träumt. Es werden wieder einmal Träume verkauft, die Deinigen, Meinigen, Ihrigen, Unsrigen.

Begleitet wird die Ausstellung von 2 Performances von Franziska Kronfoth und Julia Lwowski, diesmal ganz ohne Titel, dafür mit 20 Prozent mehr Inhalt. Mit dabei: Gina-Lisa Maiwald, Ludwig Obst und Roman Lemberg. Überwachungsvideo von Martin Mallon.

Lassen Sie sich verwöhnen, das Ganze natürlich garniert mit Drinks und Tricks.

Galerina Steiner | Kleintierhandlung

Kleintierhandlung

Thomas Egerer · Joachim Kersten · Roger Libesch
Wolf Sakowski · Ralf Siegemund
26. September – 25. Oktober 2015

Erwartet der Besucher in der Ausstellung »Kleintierhandlung« der fünf Künstler aus Nürnberg, Fürth und Erlangen einen Kuschelzoo mit niedlichen Hamstern und Hasen, hat er weit gefehlt. Der ironische Titel verweist allein auf das kleine Format. Kleine Geschichten nehmen subtil Bezug auf das Zeitgeschehen, Worte spielen hintergründig mit Figuration, Gegenständliches und Ungegenständliches im Diskurs, Imagination und innere Bilder. Jeder Künstler zeigt Arbeiten – Malerei, Zeichnung oder Mischtechnik – auf seine Weise, ohne gegenseitige inhaltliche Bindung. Eben das macht die Schau besonders vielseitig und sehenswert.

Galerina Steiner | Kleintierhandlung

Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung von Barbara Leicht M.A., Kuratorin des Kunstmuseums Erlangen
→ Download (PDF, 24kB)

Aalsuppe und Elektroschock

Ausstellung von Johannes Lortz
12. Juni 2015 – 31. Juli 2015

Nachdem Antonin Artaud in Rodez aus der Elektroschock-Klinik Briefe verschickte, die er als Lose bezeichnete und darauf mit Zigarettenglut Lochspuren hinterliess, geht es darum Artauds Feuerarbeiten warm zu behalten. Deshalb sind seit ein paar Jahren Serien von bildnerischen Feuerarbeiten meist in Gesichtsformen entstanden. Sie sollen an die ausgelöschte Handschrift und an die Symptome Artauds erinnern. In der Galerie Galerina Steiner Berlin sind ein paar davon zu sehen.

Artaud war nicht der einzige, der zu Feuer griff, um Kultur zu brandmarken. Bereits De Sade hinterliess in der Bastille ein Porträt, dass er mit Feuer gestaltete. Doch De Sade hat in seiner Haftzeit nie wirklich den Verstand verloren, ist deshalb in der Bastille zum Schriftsteller und nicht zum Zeichner oder Maler mutiert. Artaud jedoch hat im Verlauf seiner Umnachtung seinen Status als Schriftsteller verloren: Nachdem Artaud beschriebenes Briefpapier in der Elektroschock-Klinik durchlöcherte, konnte er nicht mehr schreiben und begann gespensterhafte Gesichter zu zeichnen. Ein paar Jahr zuvor war auch Aby Warburg, der die Hamburger Aalsuppe als Urbild der Kunstgeschichte begriff, in einer Klinik gewesen, verlor ebenso seine Buchstabentreue und zeichnete Schlangen und Wellen. Artaud und Warburg liessen den Prozess und die longue durée der Zivilisation weit hinter sich und verwandelten sich in die ersten Menschen, die vor 30 000 Tausend Jahren in der Lascaux- Höhle malten und zeichneten. Vor dem Zusammenbruch waren Warburg und Artaud jedoch nicht in der Höhle von Lascaux gewesen, sondern in den Bergen von Mexiko und wohnten hoch über den Wolken einem Schlangen- und Peyotekult bei. Warburgs und Artauds zerrüttete Mexiko- Reise ans Ende der Nacht mündete in der Höhle von Lascaux. Dort zeichneten sie Schattenrisse einer Aal- Suppen- Elektroschock Symptomatologie, die von einem Feuer erzeugt und später 1940 von spielenden Kindern mit Taschenlampen entdeckt wurden.

Der höhere, der tiefere und der mittlere Sinn

Zeichnungen von Jörn P. Budesheim
10. April 2015 – 31. Mai 2015

Was bisher geschah: Jörn P. Budesheim studierte Kunst und visuelle Kommunikation an der HBK in Kassel und arbeitet als Marketer und Designer in Kassel. 1987 erhielt er den Kulturförderpreis der Stadt Kassel. In einer seiner seltenen Ausstellungen zeigt Jörn P. Budesheim neue Zeichnungen aus verschiedenen Themenbereichen in der Galerina Steiner. Eine dieser Serien nennt er »Diebesgut«, eine andere heißt »Philosophische Tiere«.

Flashback

Ausstellung von Ina Schoenenburg
5. Dezember 2014 – 2. Januar 2015

Flashback – Soldaten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung

Für lange Zeit war das Leiden traumatisierter deutscher Soldaten weitgehend aus dem Bewusstsein der Deutschen verschwunden. Und auch im wiedervereinigten Deutschland stand das Schicksal der Soldaten im Schatten der grundsätzlichen Debatte über Auslandseinsätze der Bundeswehr. Als der einstige Verteidigungsminister zu Guttenberg nach dem tödlichen Gefecht von Kunduz 2010 erstmals von Krieg statt von Kampfeinsätzen sprach, wurden Soldaten endlich als betroffene Subjekte wahrgenommen. Dennoch fehlt den meisten Menschen das Wissen und der Zugang zur Situation der Soldaten, die aus Kriegseinsätzen zurückkehren.

Über einen Zeitraum von einem Jahr fotografierte Ina Schoenenburg vier Soldaten, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, in ihrem häuslichen, sozialen und alltäglichen Umfeld. Alle porträtierten Soldaten waren in Afghanistan stationiert. Ihre Auslandseinsätze haben sie schwer traumatisiert. Die Fotografin zeigt, wie sehr diese Krankheit die Soldaten und ihre Angehörigen belastet, und wie Krieg oder ein Aufenthalt in einem Krisengebiet einen Menschen verändern kann. Ihre Arbeit hinterfragt das stereotype Bild des starken, funktionierenden Soldaten. Die Bilder der Serie Flashback sind erzählerische Momentaufnahmen. Sie zeigen reale und zugleich beiläufige festgehaltene Porträts und Alltagssituationen. (Text: Murat Suner)

Ina Schoenenburg wurde 1979 in Berlin geboren. 2012 hat sie ihr Studium an der Ostkreuzschule bei Sybille Fendt mit der Arbeit »Blickwechsel« abgeschlossen. Ihre Arbeit »Flashback«, für die sie ein Stipendium der VG Bild-Kunst erhalten hat und mit der sie für den Otto-Steinert-Preis 2013 nominiert war, wurde erstmalig im Juni 2014 bei exp.12 exposure twelve, Galerie für zeitgenössische Fotografie in Berlin ausgestellt.

Hauen und Stechen Fotodokumentation

von Ioni Laibaroes und Thilo Mössner
2. Oktober – 28. November 2014 

Die Hand hat immer noch ausgeholt aber immer noch nicht zugeschlagen und man muss auch nicht alles vermeiden was man nicht verträgt.

Mit einer Auswahl von Fotos aus allen »Hauen und Stechen« Opern-Performances von 2011 bis 2014.
Regie: Julia Lwowksi und Franziska Kronfoth

Wir laden Sie/Euch alle herzlich ein mit uns diese Abende an denen die Ehemänner starben und die Bibelstunde abgehalten wurde wieder aufstehen zu lassen.

Das •LWOWSKI•KRONFOTH•MUSIKTHEATERKOLLEKTIV wird an diesem Abend eine Performance zeigen.

50/50

Ausstellung von Audrey Ng
15. August – 30. September 2014

Audrey Ng, born in San Francisco in 1964, is an Amsterdam based artist. She studied at the University of California at Davis (BA) the Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam and at Tyler School of Art/Temple University in Philadelphia (MFA). She currently teaches at the Gerrit Rietveld Academy in Amsterdam.

50/50 is a selection of works from the past 10 years. The selection is diverse, both in terms of medium (drawing/painting, sculpture, site specific & text based work) as well as in subject matter which range from physical humor (Truck taking a nap/LKW nimmt einen Mittagschlaf, 2001; 2 chairs wannabe sofa, 2011) to more conceptual works which address nationalism/political correctness/identity (2:3: Dutch, French & Japanese flags, 2009; American Law Firms, 2014).

Galerina Steiner | Audrey Ng
LKW nimmt einen Mittagsschlaf

In reference to Audrey turning 50 years old this year.
In reference to the usual 50/50 split between gallerist and artist.
In reference to one of Audrey’s sculpture assignments where students are asked to make a work comprised of 50% air and 50% solids.

American Law Firms, 2014

Sometimes I have ideas for works that seem deceptively simple when I first come up with them, but once I begin to realize the piece, it becomes more complex that I had originally bargained for.

For example, my work, “American Law Firms”, a series of 4 small gouache paintings of the business cards of fictional law firms in the U.S.A. took me over 10 years to bring to completion. The idea for the piece is vaguely inspired by having worked for law firms in the past and once observing a co-worker answer the phone “Law Office” instead of the actual firm name which was comprised of 3 or 4 partner names.

I first had ideas of a work about the perfect politically correct “American melting pot” firm with a mix of ethnic backgrounds, which then quickly flipped around to the idea of 4 “segregated” firms. What then followed was an enormous amount of research regarding various immigration waves to the United States, the most common surnames in the United States, where high concentrations of particular nationalities had settled, as well as the most common surnames per ethnicity.

The ultimate choice for a Jewish, an Irish, a Polish and a Vietnamese law firm was dictated by analysis and logic. These are groups that did tend to immigrate in large waves and perhaps also happen to be groups that encountered more discrimination than other groups. These are also groups in which the surnames give a clear indication of origin – for example I did not choose Spanish names because of possible confusion with European versus Latin American origins. I did not choose Italian names because of a possible mafia association. I chose Vietnamese names over my own Chinese background for a few reasons; Chinese immigration to the U.S. occurred in multiple waves & streams over a longer historical period, there is some overlap with Chinese & Korean surnames and furthermore, I have a clear personal memory of Vietnamese “Boat People” news stories in the 70’s and 80’s.

In the end I also thought the choice of 3 firms with partners of European origin and 1 firm with partners of Asian origin made for a good balance, as did the major city locations of New York, Boston, Chicago and Los Angeles (2 east coast cities, 1 mid-west city and 1 west coast city).
Next, visual and aesthetic considerations still had to be made. I decided that a business card was the clearest form to represent the law firms. I did further research over typographic design typically used by law firms as well as the graphic design of business cards in general. I admit to a personal fondness for vintage mid-century (50’s/60’s) embossed printed cards. Next to this I also researched where in the respective cities the majority of law firms were located and made up fictional office addresses roughly based on actual locations.

It was important to me that this work should be handmade. I could have, for example, ordered actual business cards from a printing company, or I could have used a silkscreened image, but I needed a physical process to give this idea form. I first tried to execute this work in oil on canvas, but this was a failure as it was technically difficult to do fine hairline detail & make quick corrections with oil paint. Discouraged, I abandoned this project for a few years until it occurred to me to use gouache instead. I have moderate rendering ability but am not an especially skilled painter - nonetheless I found it an interesting challenge to try my hand at “miniature painting”. It was at the same time fun to do, but an extreme strain on my eyes, wrists and patience. In the end, the labor-intensiveness was actually essential in order for me in order to be able process & finish off my own concept. The trompe l’oeil effect further underscores the fiction that I created. My best slightly awkward efforts lends the piece my personal handwriting & visual language.

What this work is about is not completely straightforward, even for myself, but in broad terms I can perhaps say that it has to do with commentary on political correctness (i.e. multiculturalism vs. clannishness), that it could be about 1st and 2nd generation immigrant assimiliation (parents wanting their children to become doctors and lawyers) and that it is also has to do with being an American expat living in the Netherlands, looking with some distance at American identities.

Galerina Steiner | Audrey Ng

Edwin Dickman – Mythological Drawings

Alle Originalzeichnungen sind auf Anfrage bei Galerina Steiner zu bestellen.
Preise zwischen 200,– und 800,– Euro.
Tusche, Aquarell und Bleistift auf Papier, zwischen 5 cm und 25 cm , 1966 – 2013

→ Mythological Drawings I
→ Mythological Drawings II

Galerina Steiner | Edwin Dickman

Nur Nein, is nich.

Ausstellung von Cora Franke
20. Juni – 31. Juli 2014

Zeichnungen und Objekten von Cora Franke

Hier wird ein kaltes Bad genommen und an den Realitäten gedreht. Kleine und grosse Positionen werden auf A4 Papier und Pappe improvisiert und erleuchtet – an der ein- oder anderen Stelle eine Wahrheit heraus-posaunt. Im Austausch von lapidaren Kommentaren finden Dramen statt. Du und Ich, wir sind eingeladen zu einem Reigen aus Persönlichkeits-Entwicklungs- und Beziehungsmodellen, um dadurch angeregt ein neues Selbstmanagement zu entwickeln, dass uns nun erlaubt, dieses kurze Leben mit einem klaren Ziel zu durchziehen. Die Kunst gibt uns dazu eine geschärfte Wahrnehmung an die Hand.

Endymion

Ausstellung von Anja von Kalinowski
25. April – 31. Mai 2014

Eine Fotographie scheint ein Nachleben zu beinhalten , eine zeitliche Struktur von Erfahrung und geisterhafter Wahrnehmung , die es nicht ruhen lässt in seiner Separation vom Vor-und Nachleben . Der Philosoph Jacques Derrida erwägt, dass man von einer Fotographie wie von einem Gedanken sprechen sollte, einem Nachsinnen ohne Stimme, dessen einziger Laut verzögert bleibt. Es ist eine Herausforderung dieser Lautlosigkeit, ohne oder über eine Stimme, die präsent ist, eine gegenwärtige Spur von Abwesenheit in einer Fotographie zu kodieren. Ein Dialog zwischen fotographischer Erscheinung und ihrer Wiederholung in einem künstlerischen Œuvre, könnte in der Kreation eines metaphorischem Echos resultieren, das eben dieses Vakuum der Abwesenheit füllt. Gleichzeitig weist eine Fotographie auf den unwiderruflichen Nachweis des unumgänglichen zukünftigen Verfalls hin, in dem es das physische Subjekt in einem chronologischen Moment fixiert. Es ist eine Ruine oder Spur, das simultan als Momento Mori fungiert, ein irreversibles Zeichen des kommenden Todes.

Anja von Kalinowskis neue Arbeitsreihe basiert auf gerichtsmedizinischen Beweismaterial von Kriegsverbrechen, die während des zweiten Weltkrieges in Russland begangen worden sind. Die Bilder toter deutscher und russischer Soldaten, die eine eindringliche ätherische Qualität aufleben lassen, werden dem orthodoxen Kulturerbe russischer Ikonographie gegenüber gestellt. Von Kalinowski versucht die Idee einer Disposition zwischen den politischen Machtprinzipien des Terrorregimes Stalins und vorrevolutionärem Kulturerbe zu analysieren und Kunst durch das Konzept von Ikonographie, Tod und Zerfall zu erfassen.

Galerina Steiner | Anja von Kalinowski

Wenn wir versuchen, die Ikone von einem atheistischen Standpunkt aus zu betrachten, erscheint dieses Konzept fragwürdig. Es ist essentiell zu verstehen, dass eben dieses Konzept eine Konstruktion ist. Dieser Widerspruch ist grundlegend für von Kalinowskis Werk. In ihren Arbeiten wird eine Verbindung zwischen Machtprinzipien und ihren unterliegenden Fragmenten unsichtbarer Dimensionen offensichtlich, die die Künstlerin durch Intensität und Obsession in Arbeitsweise und Material deutlich macht. Ihre Werke erschaffen eine Nähe mit dem Betrachter, da das »Unsichtbare nur verhindert worden ist, plötzlich in der sichtbaren Allgegenwärtigkeit zu erscheinen. Es hält hier all seine Begierde, als ob es gequält worden ist, durch den Exzess von dem was es versteht, der Herrlichkeit des Blickes zu offenbaren.«

Anja von Kalinowskis Bildermaterial beinhaltet einen Widerspruch in der Wahrnehmung und erschafft eine kuriose Diskussion in der Gegenwart. Auf den ersten Blick erscheint eine wissenschaftliche Fotographie, einzig zum Zweck der Forschung aufgenommen. Auf den zweiten Blick jedoch, erscheint etwas Doppeldeutiges: eine dramatische, fast theatralische Qualität. Ein Schlachtfeld widersprüchlicher Gewalten, verworren in unauflösbarer Spannung.

24 Minuten vor meinem Bruder

Ausstellung von Katja Geis
2. März – 15. April 2014

Dem geschriebenem Wort haftet der Nimbus der Zuverlässigkeit an. Den meisten Bildern auch.
Im Kochbuch passiert folgendes: Das Bild (Garniervorschlag) illustriert den Text, und die schriftliche Anleitung (Man nehme ...) erklärt umgekehrt, wie man zu dem Bild kommt. Es bleibt trotzdem die Frage, wohin man kommt, wenn man alles richtig macht.

Aus der Verbindung (Addition) verschiedener Dinge, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun zu haben schei­nen, entsteht ein neues Ergebnis (Emulsion). Das hat man vielleicht nicht erwartet. Meist traut man ja den eigenen Augen nicht. Man nennt es wohl Multimedia.

Am Sonntag, den 2. März 2014 ab 18 Uhr lädt galerina steiner zum gemütlichen Stelldichein mit lecker Umtrunk, bei dem das Spätwerk von Katja Geis zu sehen ist.

Galerina Steiner | Katja Geis

Ecce Homo

Ausstellung von Tomàs Morell
6. Dezember 2013 – 15. Januar 2014

Tenim tres nassos? Tenim múltiples cares? Volem semblar el que no som? Ens amaguem darrere una disfressa? Tenim por de nosaltres? Tenim la polla a la cara o els testicles als ulls? Estem perduts en nosaltres mateixos? La pintura de Tomàs Morell proposa moltes més preguntes que respostes. I precisament per això s'inscriu de ple en un ordre pictòric diferent. En podrien anomenar Pintura Curativa. Perquè mostra, sense embuts, en el mirall de l'Ego, l'altra banda de nosaltres mateixos. Com Freud, Bacon o Baselitz, Morell-Brenner és un pintor de l'ànima. On no arriba la paraula, castigada en els seus globus indesxifrables, hi arriba el retrat del que és lleig perquè ho volem tapar, però extraordinàriament bell perquè és humà.

Galerina Steiner | Tomàs Morell

Haben wir drei Nasen? Haben wir mehrere Gesichter? Wollen wir erscheinen, was wir vielleicht nicht sind? Verstecken wir uns hinter eine Verkleidung? Haben wir Angst vor uns selbst? Haben wir das Glied im Gesicht oder die Hoden in den Augen? Haben wir in uns selbst verlaufen? Die Gemälde von Tomas Morell-Brenner schlagen mehr Fragen als Antworten vor. Und genau aus diesem Grund schreiben sie sich in einer anderen malerischen Ordnung ein. In der Ordnung der kurativen Malerei. Weil sie offen, in dem Spiegel des Ego, unsere andere Seite zeigt. So wie Freud, Bacon, oder Baselitz ist Morell-Brenner ein Maler der Seele. Da wo das Wort unkenntlich bleibt, tritt das Porträt des hässlichen hervor, das verdeckt bleiben will, aber letztendlich außergewöhnlich schön, weil es zutiefst human ist.

– David Cirici, Barcelona, im November 2013

Solitary Landscapes

Ausstellung von Michael Martin
31. Oktober – 3. Dezember 2013

Als Abenteurer, Vortragsreferent, Filmemacher, Autor und Wüstenexperte hat sich der Fotograf und diplomierte Geograf Michael Martin längst einen Namen gemacht. Seine Bücher wurden in sieben Sprachen übersetzt, die Filme und Vorträge begeistern ein Millionenpublikum, zahllose Auszeichnungen renommierter Institutionen – darunter die britische Royal Geographic Society – ehren sein außergewöhnliches Schaffen.

Galerina Steiner | Michael Martin

Allein die Kunstszene mag gewissermaßen Neuland für den weitgereisten Münchener sein, wenngleich Martin bereits einige repräsentative Ausstellungen im Gepäck hat. Doch Fotografien im dokumentarischen Kontext sind nun mal etwas ganz anderes als diese kleine, aber feine Auswahl, die der Mann für seine erste Berliner Kunstausstellung getroffen hat. Dünenlandschaften, Sonnenuntergänge, Wüstenromantik? Weit gefehlt. Michael Martin zeigt sehr exklusive Ansichten unseres Planeten, zumeist Luftaufnahmen, die auf den ersten Blick abstrakt anmuten. Bizarre Formen, kristalline Strukturen und Morphologien, wie sie in der Kunstgeschichte immer wieder neu erfunden wurden, wandeln sich hier erst bei näherem Hinsehen in etwas ganz Reales. Ja, es ist greifbare Geografie, die in der Ausstellung »Solitary Landscapes« zu sehen ist. Spektakuläre Landschaften unseres Planeten, die sich von ganz allein entfalten, jenseits menschlicher Emotionen existieren, erodieren, sich wandeln. So wie der (sehr dehnbare) englische Begriff »Solitary« Aggregatzustände von »allein, einzeln, verlassen« bis »eigenbrötlerisch« umfasst, so eigen sind auch diese Bilder, die uns überraschen und faszinieren. Es ist längst an der Zeit, dass der Ausnahme-Fotograf Michael Martin nun auch die Weihen der Kunst erhält.

→ Internetseite

Etwas später am Morgen

Ausstellung von Zandra Harms
20. September – 25. Oktober 2013

Etwas später am Morgen … Längst ist der Schlaf aus den Augen gerieben und verflogen, Reste von herzhaftem Gähnen und der Duft von Kaffee liegen noch in der Luft. Der angebrochene Tag wird sich bald seinen Lauf bahnen wie ein kleiner Bach, der allmählich zu einem rauschenden Fluss anschwillt. Doch noch ist es nicht so weit. Es ist magischer Moment, ein Moment der Zeitlosigkeit, bevor die Zukunft erneut zur Gegenwart wird.

In einer solchen Art temporärer Fermate – einem Innehalten in der Bewegung – tummeln sich die Arbeiten von Zandra Harms. Die Zeichnungen und Aquarelle kommen zart, fast unscheinbar daher, erzählen von Erkundungen der Realität, von Orten, Situationen und Beziehungen. Erst auf den zweiten Blick mischt sich etwas Fremdes, Geheimnisvolles, in die Szenerie, lässt die Verhältnisse zwischen Figur und Dingen, Figur und Umwelt aus dem Lot geraten, schaffen eine starke Dynamik. Wie wirklich ist unsere Realität, wie lässt sich diese Realität in Worten oder Bildern greifen und begreifen?

Äußere Ereignisse, die unmittelbare Umgebung, bilden letztlich den Rahmen für unsere inneren Befindlichkeiten. Dieses Wechselspiel zwischen Außen und Innen kommt in Harms Arbeiten immer wieder zum Tragen. Scheinbar gleichmütig, ihrem Schicksal ergeben, nehmen die Sujets – zumeist menschliche Wesen – ihre befremdlichen Situationen in jenen Momentaufnahmen hin. Und wir ahnen schon: Bald wird alles ganz anders sein. In der Erwartung des Kommenden liegt die Spannung, in unserer Fantasie die Gestaltung einer möglichen, spekulativen Zukunft. Die Arbeiten werden somit Teil unserer Vorstellung, unserer Konstruktion von Wirklichkeit, die erst in unserer Wahrnehmung stattfindet. Es ist etwas später am Morgen. Der Tag kann kommen.

Text, auszugsweise: Harald Uhr, Überarbeitung: Katja Geis

Galerina Steiner | Zandra Harms

Schwarz – Weiß – Deutschland

Ausstellung von Thomas Bachler
5. Juli – 28. August 2013

Thomas Bachler ist ein Künstler, der es versteht, präzise über Fotografien zu arbeiten statt selber welche zu machen. In seiner aktuellen Ausstellung »Schwarz – Weiß – Deutschland« widmet er sich Aufnahmen aus drei historisch interessanten Zeitabschnitten der deutschen Geschichte: dem Dritten Reich, der Terroristenfahndung in der Bundesrepublik und den Stasi-Aktivitäten der DDR. Mit einem politisch korrekten Umgang können die Fotos allerdings nicht rechnen – gleich einem Geisterfahrer auf der Autobahn werden die Bilder in die entgegengesetzte Richtung geschickt: Porträtfotografien Hitlers erscheinen auf Sofakissen gedruckt und suggerieren eine gemütliche Nähe; RAF-Fahndungsfotos erhalten den doppelbödigen Spruch »Denk an mich« in ihren Rahmen eingeprägt und Überwachungsfotos der Stasi werden so in DDR-Büchern präsentiert, als gehörten sie zum wirklichen Umschlag des jeweiligen Buches. Subtil unterwandert Thomas Bachler so lieb gewonnene Sehgewohnheiten, die nicht nur die Macht der Bilder bloßlegen, sondern auch unsere eigene Erwartungshaltung, unsere »Bilder im Kopf« gehörig durchrütteln.

Galerina Steiner | Thomas Bachler

Reinheit des Styls

Ausstellung von Ludwig Bette
3. Mai – 18. Juni 2013 

»Ist das ein Verdienst, die Reinheit jedes Styls aufzufassen, so ist es noch ein größeres, einen reinen Styl im allgemeinen zu erdenken, der dem Besten, was in jedem andern geleistet ist, nicht widerspricht.«

Karl Friedrich Schinkel

Im Jahre 1828 stellt der großherzoglich-badische Baumeister Heinrich Hübsch die entscheidende Frage: »In welchem Style sollen wir bauen?«. In seiner gleichnamigen Schrift formuliert er eine Antwort, mit der er sich von den Idealen des von ihm als formelhaft und kalt empfundenen Klassizismus abgrenzt und stattdessen einen »lockeren«, historisierenden Baustil propagiert. Sein Zeitgenosse, der preußische Architekt Schinkel, vermag da nicht ohne weiteres zuzustimmen: Zwar würdigt er durchaus die Aneignung und Anwendung historischer Baustile in der Baukunst. Gleichwohl sieht er aber die Notwendigkeit, diesen etwas Eigenes, etwas Größeres entgegenzusetzen: einen reinen Stil, gewissermaßen ein pures Kunstwollen, das dem Besten des schon Bestehenden in der Kunst nicht widerspreche. So lässt er einen Pluralismus der Stile zu und vermag diese alle gelten zu lassen. Gleichzeitig nimmt er den Künstler in die Pflicht, sich um einen eigenen »Stil« zu bemühen, der sich dem schon Geleisteten in der Kunst als würdig erweise und sich nicht in bloßen Kopien und Zitaten erschöpfe.

Galerina Steiner | Ludwig Bette

In der Malerei Ludwig Bettes, die in einem engen Zusammenhang mit Architektur steht, bilden Maße und Proportionen einen wesentlichen Bestandteil der geometrischen Bilder. Seine Malerei begreift sich dabei als »Laboratorium für Architektur«, als eine Art Versuchswerkstatt, »in der Gebilde an die Oberfläche (kommen), die in einem getrennten, aber verwandten Schöpfungsprozess für die Architektur verwendet werden (könnten)« [Curtis]. Die Bilder zeigen dabei keine realistisch-gegenständliche Umsetzung etwa eines Bauplans o.ä., sondern thematisieren ein sowohl der Malerei als auch der Architektur innewohnendes Konstruktionsprinzip. Der Künstler sieht sich hier nicht als verhinderter Architekt; er ist Maler, er arbeitet nicht an der realen räumlichen Schöpfung von Architektur, sondern agiert vielmehr mit Farbe auf der zweidimensionalen Fläche der Leinwand. Es geht um Konstruktion und Komposition, um Maße und Zahlen, um die planvolle Ausführung einer künstlerischen Idee. Aber es ist keine Demonstration eines vermeintlich ideal- schönen Kunstgebildes mithilfe formelhaft- mathematischer Schemata. Vielmehr entsteht ein lebendiges zeitgenössisches Kunstwerk, das in seinem Entstehungsprozess auch offen ist für die sinnvolle Einbeziehung des Zufalls, des Gefühls und der Imagination.

Die Malerei Bettes bewegt sich im Spannungsfeld der geometrischen Tradition der Moderne (insbesondere des französischen Purismus´ von Amedeé Ozenfant und Le Corbusier). Sie unterscheidet sich aber wesentlich vom Staffelleibild der Zwanziger Jahre durch die Abstraktion der Bildsprache und Monumentalität der Bildformate. Diese besitzen meistens Wandbildcharakter, die Malerei wird im architektonischen Sinne real und konstruktiv. So lassen sich für den Betrachter die Bilder nicht mehr nur hauptsächlich retinal rezipieren, sondern durch ihre Größe auch körperlich in der Interaktion mit der Architektur erfahren.

Bettes Bilder eröffnen Anmutungsfelder der Kunst, die auf die Geschichte und Bildtradition der Moderne verweisen. Doch sind sie durch ihre eigene Bildsprache, ihre formale Besonderheit und ihren malerischen Fragestellungen fest in der Gegenwart verhaftet.

Sie nehmen in ihrer Eigenart den Stilpluralismus der Moderne auf, zitieren, amalgieren und verwandeln ihn in etwas Neues, in eine eigene »Reinheit des Stils«.

Der Künstler zeigt in der Galerina Steiner drei großformatige Bilder, darunter ein für diese Ausstellung gemaltes Bild, in dem die rechtwinkelige Bildgrammatik durch Kreis- und Bogenformen erweitert wird.

→ Internetseite von Ludwig Bette

VERSETZT VERLETZT

Ausstellung von Roger Libesch
15. März – 27. April 2013 

Roger Libesch präsentiert in der Galerina Steiner eine exklusive Wandzeichnung, der 16 aktuelle schwarz-weiße Tafel­bilder gegenübergestellt sind.

VERSETZT beschreibt das Verschieben eines Motivs durch den horizontalen oder vertikalen Versatz aus der Standard­position heraus – eine räumliche Veränderung.

VERLETZT beschreibt die körperlichen und/oder psychischen Verletzungen. Die temporäre Wandzeichnung auf der einen Seite und die 16 Bilder auf der anderen erzählen melancholisch-ironisch von Desorientierung und Ver­wund­barkeit in der dunklen Jahreszeit. Die Handlungen gehen unter die Haut, schichten sich auf den Werken zu neuen Zusammen­hängen, ordnen oder tarnen sich.

Die Objekte sind deutlich als solche erkennbar, ironische Metaphern und verschobene Kontexte sorgen jedoch für Irritation: Der Betrachter strebt eine eigene, individuelle Interpretation an. Diese stellt uns Roger Libesch frei.

Star Shots

Haunted Hollywood, Poltergeist Paparazzi & Ghostly Glitterati

Ausstellung von Kathrin Günter
16. November 2012 – 8. Januar 2013 

Der Spuk geht weiter. Kathrin Günter ist zurück. Auch wenn sie seit geraumer Zeit nicht mehr in den Klatschspalten aufgetaucht ist, wissen gut informierte Kreise bereits um die unmittelbar bevorstehende Veröffentlichung ihres neuen Streichs in den Darkrooms der Celebrities.

»Nach ganzen 5 Jahren on/off Gossip-Konsum und längeren Aufenthalten in eher okkulteren Gefilden jenseits des High Gloss feiert sie nun ihr Comeback in der Tabloid-Presse, um mit neuen teuflischen Tricks die Stars zu verfolgen und regelrecht zu verdoppeln«, so die geheime Quelle. Diesmal jedoch nicht, wie in den Jahren zuvor, in aller Öffent­lich­keit, sondern »ganz und gar versteckt hinter den dunklen, verschwöre­rischen Vorhängen des Celebrity Darkrooms«, wie es die kühne Klatsch-Künstlerin selbst nennen soll.

»Tag und Nacht versteckt sich Kathrin Günter regelrecht in ihrem schattigen Chateau, sie empfängt keine Besucher, nur engsten Freunden gewährt sie Zugang und sie verlässt ihr luxuriöses Anwesen in Mittecito nur selten. Sie hat alles genauestens geplant. Außerdem hat sie die Nase voll, im Rampenlicht zu stehen«, erklärte die Quelle. »Des­wegen zieht sie sich jetzt in ihr Dunkelkabinett zurück.«

Bereits im Jahr 2000 sorgte sie mit »Star Shots« vor und hinter den Kulissen der Paparazzi- und Celebrity-Szene für Furore, geisterte grobkörnig und verschwommen durch die Printmedien und irritierte durch selbst inszenierte Pseudo-Entgleisungen; allesamt schamlos, kühl kalkuliert, nachgestellt und retuschiert.

Galerina Steiner | Star Shots

Während ihres zweiten Coups, der als Topline »Star Shots – The Hot Mess Hall of Shame« im Jahr 2007 publik wurde, übernahm sie haupt­sächlich die Rollen vermeintlicher »Trainwrecks« wie Lindsay Lohan, Britney Spears oder Paris Hilton. Rollen, die ihr, wie sie damals selbst sagte, sehr leicht von der Hand gingen.

»Das Leben in der Öffentlichkeit, sich damit stressen, was andere über einen sagen, ob es stimmt oder nicht«, erklärte sie in einem Life­style-Promi-Clip. »Du lebst dein Leben vor den Augen aller, und die Leute wachsen mit dir. Irgendwann kommst du zu dem Punkt an dem du abstumpfst, und du fängst an dein Leben so zu leben wie du denkst, dass du es leben musst.«

»In ihren jüngsten Machenschaften nun hält Kathrin Günter geheime Seancen in ihrem Celebrity-Darkroom ab, um die ver­meint­lichen Doubles oder Doppelgänger einiger auserwählter und sehr medial veranlagter Celeb' Stars herauf­zu­beschwö­ren. Dabei hat sie sich an den verwegenen Vorgehensweisen eines William H. Mumler oder Frederick A. Hudson, zwei der be­rüch­tigts­ten Geister-Paparazzi des 19. Jahrhunderts, orientiert«, vertraute uns die Quelle diskret an.

Während dieser spirituellen Sitzungen, die unter strengster Geheimhaltung stattfinden sollen, werde der prominente Doppelgänger zunächst von seinem ursprünglichen, physikalischen Körper losgelöst, um sich frei und unabhängig im Raum bewegen zu können, um dann schließlich, nach vollständiger sogenannter Materialisation, auf der sorgfältig vorbereiteten Silbergelatine im Celebrity Darkroom belichtet, entwickelt und fixiert werden zu können.

»Es passiert jedoch immer häufiger«, so die Quelle, »dass der einmal heraufbeschwörte und losgelöste Doppel­gänger nicht wieder zu seinem ursprünglichen Körper zurückwolle, sondern die endlich gewonnene Freiheit genieße und unabhängig umherstreife. Sie für das Original haltend, stürzen sich die Paparazzi blindlings auf die falschen Flaneure.«

Das wirkliche Ausmaß dieses schaurigen Schabernacks ist noch unklar, allerdings gibt es bereits erste Reaktionen von einigen der verdoppelten Lottchen:

»Ich denke auch erst immer, dass ich das auf den Bildern bin ... aber ich weiß ganz genau, dass ich schöner bin. Zwar habe ich diese Person erschaffen, aber ich bin irgendwie total anders als sie.« (Victoria Beckham)

»Ich kann das gar nicht glauben wie bodenständig und professionell ich aussehe. Mein Double ist ja noch schöner als ich es bereits bin.« (Paris Hilton)

»Ich habe damit überhaupt nichts zu tun. Ich bin das nicht, und das ist nicht Teil meines Lebens.« (Nicole Kidman)

»Ich bin am Boden zerstört und total eifersüchtig auf die ganze Aufmerksamkeit, die sie bekommt.« (Britney Spears)

Kathrin Günter

→ Portfolio 1 – Arbeiten von 2012
→ Portfolio 2 – Arbeiten von 2000 – 2007
→ Vita (PDF, 83,9 kB)
→ Internetseite von Kathrin Günter

Molekül

Ausstellung von Marula Di Como
14. September – 9. November 2012

Die argentinische Künstlerin Marula Di Como stellt unerwartete Beziehungen zwischen den Dingen her. Unter dem Titel »Molekül« präsentiert sie eine Installation, in der sich mannigfaltige Objekte nach einem unsichtbaren Ordnungs­prinzip aneinanderreihen, in der Galerina Steiner in Berlin.

Optische Instrumente, Erinnerungsstücke, Laborgläser, Samen, Fotografien, Abfälle sind als Atome nicht in sich be­deut­sam, sondern werden es erst durch die Verbindungen, in die sie eintreten. Diese Stilleben bilden ein Labor für Ge­schichten, die sich den Worten entziehen.

Marula Di Como lebt seit 2002 in Berlin. Seitdem nahm sie an zahlreichen Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil und einige Ihrer Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Sie gründete auch das Kollektiv migrantas, dass europaweit für Ihre künstlerische Darstellung der Migration auf große Beachtung stieß und mehr­fach aus­ge­zeich­net wurde.

Mit »Molekül« ist eine weitere Facette der Künstlerin in Berlin zu sehen.

Galerina Steiner | Marula Di Como

→ Berlin Art Week · Sa. 15. September und So. 16. September 2012 · 14 – 19 Uhr
→ Vita (PDF, 78,8 kB) 

Ein Museum der Schatten Formen als Ereignisse und Funktionen als Sprache: Nicht immer gewährleistet die Anwendung einer Syntax eine Art Lesbarkeit. Im Falle von Marula Di Comos »Molekül« ist das Wort »Verstehen« durch »Experimentieren« ersetzt worden. Die Frage nach dem Sinn bildet, in verschie­de­nen Objekt­mengen ver­dichtet, einen Raum. Wer diesen Raum betritt, lässt sich auf ein Flanieren ein, betritt ein Labyrinth, dessen Mitte es zu entdecken gilt. Das Erschließen wird zum Kampfschauplatz.

»Molekül« bietet sich als eine Bibliothek der Dinge dar. Den Regalen wurde alles Anekdotische entzogen, und trotzdem bilden sie einen Zusammenhang. Erkennbare Formen und Gestalten, deren Zugehörigkeit zu Teil­mengen gemäß der jeweiligen Kartierung – zwischen Pop und Archäologie des Apothekers – variiert. Ausgestellt werden diese Formen und Gestalten sowohl mit ihren Funktionen als auch mit den Konstruktionen, die sie zu schaffen ver­mögen. Das Übertragen der Ereignisse erlaubt dabei, von regulierten Ergebnissen zu fliehen: Es handelt sich nicht um eine Art, die Welt zu sehen, sondern darum, die Welt zu schaffen.

Die zusammengebrachten Bestandteile schaffen einen Raum, in dem die narrative Funktion entthront ist und eine sich empor­arbei­tende Struktur entsteht, deren Grundlagen unsichtbar sind. Damit beschreitet Marula Di Como ein neues Kapitel in dem Versuch, die erste Person Singular herauszubilden, ohne in das Biografische zu verfallen. In dieser Zone scheinbarer Entkoppelung und kosmischer Perspektive, in der nur wenige latente Effekte zu finden sind, werden die Dinge durch verschiedene Wahlverwandschaften verbunden. Keine Gestalt ist um ihre Erinnerung gebracht worden. Weder Verdinglichung noch der Wille, jedes private Partikel zu fetischisieren: Im Sinne Jean- Luc Godards hat jeder Blick für sich zu verhandeln, was zu sehen ist.

Mariano Mayer
Madrid 2012

Mariano Mayer
(Buenos Aires, 1971)
Poet, Kunstkritiker und Kurator

Daydreams

Ausstellung von Edwin Dickman
27. Juli – 7. September 2012 

Galerina Steiner freut sich, exklusive aktuelle Arbeiten von Edwin Dickman präsentieren zu dürfen. In seiner neuesten Berliner Ausstellung gibt der Künstler einen unorthodoxen Einblick in seine erotischen Imaginationen.

Tagträume – das sind keine Hirngespinste, sondern unter anderem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wer die Gedanken schweifen lässt, generiert Kreativität. Tagträume verknüpfen verschiedene Gehirnregionen miteinander, bringen uns erst auf neue Ideen für alte Probleme. Eine Erkenntnis, die in der Kunst seit Menschengedenken selbstverständlich ist.

Edwin Dickman, Jahrgang 1929, bekennender Tagträumer, hat sich praktisch durch sein ganzes Leben geträumt. Ihm gelingt, was nur wenigen gelingt: die Träume einzufangen, ihnen Gestalt zu geben und die Welt daran teilhaben zu lassen.

Dickmans Zeichnungen gehen buchstäblich unter die Haut. Im Kontrast zu den filigranen, geradezu zärtlichen Strichen steht eine Provokation: Triebhaftigkeit, Lüsternheit sind die wiederkehrenden Motive. Völlig unverhohlen ergötzen sich Greise, ja, selbst der Tod, an den Körpern junger Frauen. Die Wollust wird zum Lebenselixier. Die verborgenen Sehnsüchte, der Reiz des Verbotenen sind es, die uns in Bann ziehen. Dem Träumer ist alles erlaubt, die Gedanken sind frei. Wie erfreulich, hier Zaungast sein zu dürfen.

Dickman ist in seinen »Daydreams« genauso zu Hause wie in der ganzen Welt. Geboren in Chicago, lebte er in New York, Irland, Schottland, Spanien. In den 50er-Jahren verschlug es den Weltenbummler nach Berlin, wo man ihn für seine künstlerischen Verdienste unter anderem mit einem Stipendium des Bundespräsidialamtes ehrt. Der wundersame Weg des Edwin Dickman ist damit offenbar noch lange nicht zu Ende. Repräsentieren schon seine Arbeiten eine irritierende Verschmelzung von Leben und Tod, so kann man getrost davon ausgehen, dass seine Träume bis in alle Ewigkeit fortdauern.

In der Ausstellung »Daydreams« vermittelt Edwin Dickman in eindrucksvoller Intensität eine Perspektive, die die menschliche Natur »enthüllt« und zugleich ihre Ästhetik betont. Es sind intime Nahaufnahmen mit einer lebendigen Ausdruckskraft und einer Liebe zur Schönheit, wie man sie sonst selten zu sehen bekommt.

Eröffnung am 27. Juli 2012 um 19 Uhr
Öffnungszeiten: jeweils Dienstag bis Donnerstag 14 bis 17 Uhr

→ Rede zur Ausstellungseröffnung von Bodo Baumunk (PDF, 56 kB)
→ Portfolio 

Drei Zeichnungen und ein Wesen

Ausstellung von Susanne S. D. Themlitz
27. April – 30. Juni 2012

Zum Gallery Weekend Berlin eröffnet Galerina Steiner am 27. April 2012 um 18 Uhr eine Ausstellung mit Arbeiten von Susanne S. D. Themlitz, die in zeichnerische Parallelwelten führt. Die deutsch-portugiesische Künstlerin zeigt groß­formatige Leinwandlandschaften voller fremdartiger, wie verloren gegangener Elemente.

Galerina Steiner Berlin | S.D. Themlitz

In den bruchstückhaften Szenarien gesellen sich mutierte Pflanzen, Insekten, Spinnen, Organe und Pilze zu einem rätselhaften Stelldichein, umgeben von der Aura zarter Farbwucherungen. Die Arbeiten gewähren einen unge­wöhn­lichen Blick auf all diese Details, die unsere Kulturflora und -fauna bevölkern – einen Blick aus der erhabenen Distanz eines Hochsitzes und zugleich eine mikroskopisch anmutende Ansicht. Diese kippenden und sich überlagernden Perspektiven, Verzerrungen, Stauchungen und Überdehnungen sind ein zentrales Stilmittel in den Arbeiten der Künstlerin. Immer wieder verlagert sich der Blickwinkel und löst räumliche Dimensionen auf, selbst die Konturen und Farben scheinen sich zu verselbstständigen. Das Medium der Zeichnung erfährt eine subtile Erweiterung in die Collage und Malerei, auch hier sind die Übergänge stets fließend. Es sind nicht einfach Bilder, sondern vielmehr ganze Welten von höchst eigener Faszination, in die es sich da eintauchen lässt. Über alldem wacht eine Skulptur, oder besser gesagt: ein »Wesen«. Es ist eine geisterhafte Gestalt, die sich der begrifflichen Bestimmung entzieht – sie könnte geradewegs aus den fragmentarischen Landschaften herausgekrochen sein. Typisch für Susanne S. D. Themlitz’ Arbeiten sind die wiederkehrenden Motive: Geradezu vertraut wirken all die Morcheln und Herzen jener Leinwandwelten, und auch die typischen kopflosen Figuren in Gummistiefeln tummeln sich seit vielen Jahren in den Installationen der Künstlerin als stumme Zeugen und Mittler des Übergangs in einen Mikrokosmos, der sich hinter den Kulissen verbirgt.

Eröffnung am Freitag, 27. April 2012, 18 bis 21 Uhr
Gallery Weekend Berlin, Samstag 28. April + Sonntag 29. April 2012
Öffnungszeiten jeweils 11 bis 19 Uhr

→ Portfolio
→ Vita (PDF, 104,9 kB)
→ Internetseite von Susanne S. D. Themlitz

Body and Shape

Ausstellung von Maria-Helena Buckley
24. März – 25. April 2012

Galerina Steiner freut sich, ausgewählte Arbeiten der Fotografin Maria-Helena Buckley präsentieren zu dürfen. In ihrer ersten Berliner Ausstellung gibt die international bekannte Ballettfotografin einen ungewöhnlichen Einblick hinter die Kulissen der großen Opernhäuser. Wenn von Ballett die Rede ist, kommen unwillkürlich romantische Bilder in den Sinn. Tutus, Spitzenschuhe, rauschende Kostüme und wohlgeformte Körper vor traumhaften Kulissen. So weit das Klischee. Auch in Buckleys Fotografien kommt die vermeintliche Leichtigkeit der Tänzer in pittoresker Anmut zum Tragen. Diese Arbeiten haben etwas Malerisches. Im scharfen Kontrast zu diesen ästhetischen Farbaufnahmen stehen Schwarz-Weiß-Fotografien, die die Kehrseite der Medaille zeigen. Die Kamera nimmt die Gliedmaßen der Akteure ins Visier – ihre Sehnen, Muskeln, bandagierten Füße sprechen eine deutliche Sprache. Es sind intime Nahaufnahmen von Körperbeherrschung und extremer physischer Anstrengung, die sich hinter den so leichtfüßig wirkenden Szenerien der Ballettbühne verbergen. Und doch haben diese Schwarz-Weiß-Arbeiten alles andere als dokumentarischen Charakter. Es sind eigenständige Werke mit einer Ausdruckskraft, wie man sie sonst selten zu sehen bekommt.

Maria-Helena Buckley kennt die Welt, die sie in ihren Bildern einfängt, nicht nur durch die Linse. Die in Mallorca (Spanien) geborene Künstlerin hat selbst über 20 Jahre lang als Tänzerin in Berlin auf der Bühne die großen Klassiker getanzt. Die professionelle Erfahrung verleiht ihr das besondere Gespür für Details, die anderen verborgen bleiben. Mit dem Ende ihrer aktiven Tanzkarriere wechselte Maria-Helena Buckley nicht das Metier, aber die Perspektive. Sie etablierte sich rasch als gefragte Ballettfotografin in der internationalen Szene und widmet sich gleichermaßen ihren freien Arbeiten, die beide Seiten beleuchten: vor und hinter der Bühne. In der Ausstellung »Body and Shapes« vermittelt Maria-Helena Buckley in eindrucksvoller Intensität ein plastisches Bild des Balletts: eine Perspektive, die nicht auf Zauber und Schönheit verzichten will, die märchenhaften Visionen aber zugleich als Klischee enttarnt. Einmal mehr trifft hier das Zitat des Fotografen Robert Capa in der Umkehrung »If your pictures aren't good enough, you're not close enough.«

Dauer der Ausstellung: bis zum 25. April 2012, Öffnungszeiten: jeweils Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr

→ Portfolio
→ Pressemitteilung (PDF, 68 kB)

Tatorte

Ausstellung von Thomas Bachler
15. Januar – 18. März 2012

Aktuell zeigen wir die Serie Tatorte des Photographen Thomas Bachler. 

Die Ausstellung Tatorte zeigt Motive einer trügerischen Idylle. Vom Täter fehlt mal wieder jede Spur, war doch die Belichtungszeit zu lang, um ihn festzuhalten. Die Fotografie wird zum Indiz. Genau wie der kriminalistische Schauplatz selbst, kann sie nur auf den Täter verweisen.

Ein Pistolenschuss bringt Licht ins Dunkel

Thomas Bachlers Tatorte sind Aufnahmen mit einer zunächst vollständig geschlossenen Camera Obscura, bei der ein Pistolenschuss das zur Belichtung notwendige Loch schafft und zugleich das spätere Bild in Gestalt eines hellen Flecks sichtbar durchschlägt. Wie im richtigen kriminalistischen Leben ist es die Tat, die den bis dahin unschuldigen Ort zum Tatort macht. Thomas Bachler, Jahrgang 1961, lebt und arbeitet in Dresden. Er gilt als einer der wichtigsten Künstler in Deutschland, der sich intensiv mit der Lochkamera befasst hat. Er ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund und in der Deutschen Fotografischen Akademie.

Der Schuss als fotografische Tat

Dr. Thomas Niemeyer, Mitglied der Kuratorenwerkstatt an der Kunsthalle Fridericianum, Kassel, sieht in Bachlers Tatorten einen geläufigen Begriff in der Anwendung, wenn nämlich Fotos geschossen werden. »Das Wort ist in diesem Zusammenhang so vertraut, dass die agressiv anmutende Umkehrung des Vorgangs, den wenigsten noch auffällt«, so Niemeyer. »Bereits im späten 19. Jahrhundert als die fotografische Technologie erstmals Kurz­zeit­belichtungen aus freier Hand und von bewegten Objekten erlaubte, etablierte sich der Begriff des Schnapp­schusses. Er wurde zum treffenden Synonym für die aktive Blickbeziehung, die der fotografischen Tat stets zugrunde liegt.«

→ Portfolio

Hochstand

Ausstellung von Paul Mayer
15. Januar – 18. März 2012

Klammheimlich stehen die hölzernen Gestelle am Waldrand, ganz unscheinbar lehnt eine mit Stöcken zusammen­gezimmerte Leiter an einem Baum. Oftmals verstecken sich die kühnen Konstruktionen im dichten Gestrüpp, während imposante Kanzeln auf offenem Feld Posten beziehen. Es geht um Architektur – um die ganz unscheinbare, kaum als solche wahrgenommene Architektur der jagdlichen Ansitz­einrichtungen: Standardkanzel aufgebockt, Scherenleiter mit Stützbock vorne, Leiterklappsitz oder Drückjagdkanzel unterscheidet der Waidmann. Dabei ist die Gestaltungs­vielfalt der Hochstände schier unerschöpflich – eigenwillige, bisweilen skurrile und waghalsige Bauwerke schmiegen sich selbstgenügsam in die Landschaft.

Die Fotografien von Paul Mayer fangen den ästhetischen Reiz der meist hoch aufragenden Jägersitze ein. Sie zeigen ­keine nüchternen Abbildungen, keine klassischen Architektur­aufnahmen, sondern eine abstrakt gehaltene, fast typi­sierte Landschaftsfotografie. Die konzentrierten und zugleich kontemplativen Aufnahmen in Schwarz­weiß unter­streichen in ihrer formalen Reduktion die anarchische Qualität der Bauwerke und entführen den Betrachter in ein ungeahntes Universum. Hat das Auge erst einmal die Fährte der Hochstände aufgenommen, kann die Pirsch beginnen.